„Bildungsbau ist eine Daueraufgabe“

KI-basierte Bildbeschreibung: Eine große Gruppe von Menschen sitzt und steht auf hölzernen Stufen im Bleicher-Stil, hält Luftballons und lächelt. Metallische Luftballons mit den Zahlen 20 und 21 befinden sich auf beiden Seiten. Die Umgebung wirkt festlich und ungezwungen.

Seit zwei Jahrzehnten plant, baut und betreibt die Bau- und Betriebsservice GmbH (BBS) Schulgebäude in Mannheim. Was einst mit einzelnen Bauprojekten begann, ist heute ein umfassendes System für den Bildungsbau der Stadt. Geschäftsführer Peter Doberass blickt im Gespräch auf die Entwicklung der vergangenen 20 Jahre – und auf die Herausforderungen der Zukunft.

Herr Doberass, die BBS feierte 2025 ihr 20-jähriges Bestehen. Wie hat alles begonnen?

Auslöser für die Gründung der BBS war eine Schieflage. Anfang der 2000er-Jahre gab es an Mannheims Schulen einen erheblichen Investitionsstau. Gleichzeitig wurden Sanierungs- und Modernisierungsprojekte verschoben, weil die Mittel begrenzt waren. In dieser Situation hat der damalige Bildungsbürgermeister Peter Kurz das Modell eines privaten Unternehmens als Tochtergesellschaft der Stadt eingebracht, das künftig für Bau und Betrieb von Schulen zuständig sein sollte. Dieses Modell wurde 2005 vom Gemeinderat beschlossen und die BBS als GBG-Unternehmen gegründet. Ein Jahr später nahm die BBS ihre Arbeit auf. Zunächst ging es um ein klar umrissenes Bauprogramm: Mehrere Schulstandorte mussten dringend saniert oder neu gebaut werden.

KI-basierte Bildbeschreibung: Ein lächelnder Mann mit Brille und Bart, der einen dunklen Blazer und ein gemustertes Hemd trägt, steht in einem hell erleuchteten Innenraum mit bunten Dekorationen und Pflanzen im Hintergrund.
Peter Doberass ist Geschäftsführer der BBS Bau- und Betriebsservice GmbH, die zur GBG-Unternehmensgruppe gehört.
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Mannheimer Schulliegenschaften

betreut die BBS

Was war der Vorteil dieses Modells?

Der Hauptvorteil war, dass die Stadt mit dem Modell BBS Planungssicherheit erlangt hat. Mit einem festen, vertraglich fixierten Budget konnten so bereits die ersten Maßnahmen umgesetzt werden. Das Modell hat so gut funktioniert, dass die BBS nicht nur mit weiteren Sanierungen beauftragt wurde, sondern ihr bis 2015 schrittweise der Betrieb aller Mannheimer Schulen übertragen wurde. Heute sind insgesamt 72 Liegenschaften mit zahlreichen Gebäuden – neben den Schulen auch Sporthallen, Mensen und Hausmeisterwohnungen – in unserer Verantwortung. Gleichzeitig betreut die BBS seit 2010 alle investiven Maßnahmen an den Schulen, wie Neubauten und Erweiterungen. Darüber hinaus konnten wir nach und nach mit wachsendem Personal eine umfassende Expertise im Bildungsbau aufbauen. Wir verstehen nicht nur, wie Gebäude funktionieren, sondern auch, was die Belange der Schulen sind.

Welche Belange sind das?

Im Vordergrund steht die Sicherstellung des ungestörten Unterrichts. Kleine Wartungen oder Instandhaltungen versuchen wir zum Beispiel, so weit wie möglich, in den Ferienzeiten umzusetzen. Bei größeren Sanierungsprojekten ist das nicht möglich. Deshalb sind wir auf eine gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten – mit Schulleitung, Kollegium, Schülerinnen und Schülern sowie Eltern – angewiesen. Und da konnten wir in den vergangenen Jahren große Fortschritte machen. Das merken wir aktuell zum Beispiel bei größeren Projekten wie der Sanierung der Gebäudehülle des Ludwig-Frank-Gymnasiums oder der Erweiterung der Humboldtschule.

Was unterscheidet die Arbeit der BBS von klassischen Bauprojekten?

Der entscheidende Punkt ist, dass wir nicht nur bauen oder sanieren, sondern die Gebäude auch langfristig betreiben. Wir betrachten Gebäude über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg. Es geht nicht nur darum, ein Schulgebäude zu errichten, sondern darum, es so zu errichten, damit wir es über viele Jahrzehnte sicher funktionsfähig halten können. Wartung, Pflege und kontinuierliche Modernisierung sind deshalb genauso wichtig wie der eigentliche Bau. Bildungsbau ist eine Daueraufgabe.

„Schulen sollen moderne Lernorte sein, gleichzeitig aber auch wirtschaftlich und nachhaltig betrieben werden können.“
Peter Doberass
Geschäftsführer BBS
Wie hat sich der Bildungsbau in den vergangenen 20 Jahren verändert?

Sehr deutlich. In den Anfangsjahren ging es häufig darum, akute bauliche Probleme zu lösen und bestehende Gebäude zu modernisieren. Heute denken wir stärker strategisch. Schulen verändern sich, pädagogische Konzepte entwickeln sich weiter, Ganztagsangebote nehmen zu und die Digitalisierung spielt eine immer größere Rolle. Das wirkt sich unmittelbar auf die Gebäude aus. Gute Beispiele hierfür sind die beiden Grundschulen in den neuen Quartieren FRANKLIN und SPINELLI. Aber auch bei der Sanierung bestehender Bauten wie etwa der Pestalozzischule setzen wir neue Konzepte um.

Wie haben sich pädagogische Konzepte verändert und was bedeutet das für den Schulbau?

Ein Beispiel: Anstelle des klassischen Frontalunterrichts sind in den letzten Jahren verstärkt Lerngruppen getreten. Zudem geht man heute intensiver auf die individuellen Bedürfnisse der Lernenden ein. Den klassischen Schulraum mit Bänken, Tafel und Lehrerpult gibt es noch, aber er wird durch flexiblere Raumangebote ergänzt.

Welche Herausforderungen sehen Sie für die kommenden Jahre?

Der Investitionsbedarf im Schulbereich bleibt hoch. Gerade bei großen Sanierungsprojekten wird uns die kommunale Haushaltslage vor Herausforderungen stellen. Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen ständig. Unsere Aufgabe wird es sein, diese verschiedenen Anforderungen miteinander zu verbinden. Schulen sollen moderne Lernorte sein, gleichzeitig aber auch wirtschaftlich und nachhaltig betrieben werden können.

Wenn Sie auf 20 Jahre BBS zurückblicken: Worauf sind Sie besonders stolz?

Vor allem darauf, dass wir in dieser Zeit eine stabile Struktur für den Bildungsbau in Mannheim aufgebaut haben. Am Anfang standen einzelne Projekte. Heute betreuen wir das gesamte Schulportfolio der Stadt. Das zeigt, dass das Modell funktioniert. Und es zeigt auch, wie wichtig kontinuierliche Planung und Instandhaltung für einen verlässlichen Betrieb sind, damit Schulen langfristig gute Orte zum Lernen bleiben. BBS steht schließlich nicht nur für Bau- und Betriebsservice, sondern auch für Bildungsbau-Spezialist*innen.

Ausgewählte Bauprojekte 2025

Schillerschule

An der Schillerschule im Stadtteil Neckarau ist die Modernisierung und der Ausbau zur fünfzügigen Ganztagsschule zwischenzeitlich abgeschlossen. Entstanden ist eine Kombination aus saniertem Bestand und Neubau. Der neu gestaltete Schulhof verbindet Aufenthalts- und Spielflächen mit klimatischen Funktionen: Neu gepflanzte Bäume und Fassadenbegrünung sorgen für mehr Schatten und Kühlung, Retentionsflächen helfen dabei, Regenwasser vor Ort zu speichern.

KI-basierte Bildbeschreibung: Ein modernes Schulgebäude mit grauen und grünen Paneelen, großen Fenstern und Bäumen im Innenhof unter blauem Himmel. Auf der Freifläche sind Spielgeräte und Bänke für Kinder zu sehen.

Pestalozzischule

Der historische Altbau der Pestalozzischule wird umfassend saniert und das bisherige Notdach durch einen neuen Dachaufbau ersetzt. Die Turnhalle, die bisher die ursprünglichen Mädchen- und Jungengebäudeflügel voneinander getrennt hat, wird künftig in das Dachgeschoss verlegt. Dadurch entsteht im Zentrum der Schule Platz für eine neue Mensa und eine offen nutzbare Mitte.

KI-basierte Bildbeschreibung: Ein großes Gebäude ist während der Bauarbeiten mit Gerüsten und Schutzgittern bedeckt und von Bäumen umgeben. Ein orangefarbenes Bauschild und ein Kran sind zu sehen, darüber ein strahlend blauer Himmel.

Humboldtschule

Auch an der Humboldtschule in der Neckarstadt-West wird gebaut: Der denkmalgeschützte Altbau wird durch einen Neubau ergänzt. Realisiert wird ein zusammenhängender Bildungscampus mit Sporthallen, Außenklassenzimmern und Flächen für einen Schulgarten mit Kräutern.

KI-basierte Bildbeschreibung: Ein modernes, im Bau befindliches Betongebäude steht neben einem älteren Backsteingebäude mit gewölbten Fenstern, umgeben von großen, belaubten Bäumen und unter einem strahlend blauen Himmel.