Seit zwei Jahrzehnten plant, baut und betreibt die Bau- und Betriebsservice GmbH (BBS) Schulgebäude in Mannheim. Was einst mit einzelnen Bauprojekten begann, ist heute ein umfassendes System für den Bildungsbau der Stadt. Geschäftsführer Peter Doberass blickt im Gespräch auf die Entwicklung der vergangenen 20 Jahre – und auf die Herausforderungen der Zukunft.
Auslöser für die Gründung der BBS war eine Schieflage. Anfang der 2000er-Jahre gab es an Mannheims Schulen einen erheblichen Investitionsstau. Gleichzeitig wurden Sanierungs- und Modernisierungsprojekte verschoben, weil die Mittel begrenzt waren. In dieser Situation hat der damalige Bildungsbürgermeister Peter Kurz das Modell eines privaten Unternehmens als Tochtergesellschaft der Stadt eingebracht, das künftig für Bau und Betrieb von Schulen zuständig sein sollte. Dieses Modell wurde 2005 vom Gemeinderat beschlossen und die BBS als GBG-Unternehmen gegründet. Ein Jahr später nahm die BBS ihre Arbeit auf. Zunächst ging es um ein klar umrissenes Bauprogramm: Mehrere Schulstandorte mussten dringend saniert oder neu gebaut werden.

Der Hauptvorteil war, dass die Stadt mit dem Modell BBS Planungssicherheit erlangt hat. Mit einem festen, vertraglich fixierten Budget konnten so bereits die ersten Maßnahmen umgesetzt werden. Das Modell hat so gut funktioniert, dass die BBS nicht nur mit weiteren Sanierungen beauftragt wurde, sondern ihr bis 2015 schrittweise der Betrieb aller Mannheimer Schulen übertragen wurde. Heute sind insgesamt 72 Liegenschaften mit zahlreichen Gebäuden – neben den Schulen auch Sporthallen, Mensen und Hausmeisterwohnungen – in unserer Verantwortung. Gleichzeitig betreut die BBS seit 2010 alle investiven Maßnahmen an den Schulen, wie Neubauten und Erweiterungen. Darüber hinaus konnten wir nach und nach mit wachsendem Personal eine umfassende Expertise im Bildungsbau aufbauen. Wir verstehen nicht nur, wie Gebäude funktionieren, sondern auch, was die Belange der Schulen sind.
Im Vordergrund steht die Sicherstellung des ungestörten Unterrichts. Kleine Wartungen oder Instandhaltungen versuchen wir zum Beispiel, so weit wie möglich, in den Ferienzeiten umzusetzen. Bei größeren Sanierungsprojekten ist das nicht möglich. Deshalb sind wir auf eine gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten – mit Schulleitung, Kollegium, Schülerinnen und Schülern sowie Eltern – angewiesen. Und da konnten wir in den vergangenen Jahren große Fortschritte machen. Das merken wir aktuell zum Beispiel bei größeren Projekten wie der Sanierung der Gebäudehülle des Ludwig-Frank-Gymnasiums oder der Erweiterung der Humboldtschule.
Der entscheidende Punkt ist, dass wir nicht nur bauen oder sanieren, sondern die Gebäude auch langfristig betreiben. Wir betrachten Gebäude über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg. Es geht nicht nur darum, ein Schulgebäude zu errichten, sondern darum, es so zu errichten, damit wir es über viele Jahrzehnte sicher funktionsfähig halten können. Wartung, Pflege und kontinuierliche Modernisierung sind deshalb genauso wichtig wie der eigentliche Bau. Bildungsbau ist eine Daueraufgabe.
Sehr deutlich. In den Anfangsjahren ging es häufig darum, akute bauliche Probleme zu lösen und bestehende Gebäude zu modernisieren. Heute denken wir stärker strategisch. Schulen verändern sich, pädagogische Konzepte entwickeln sich weiter, Ganztagsangebote nehmen zu und die Digitalisierung spielt eine immer größere Rolle. Das wirkt sich unmittelbar auf die Gebäude aus. Gute Beispiele hierfür sind die beiden Grundschulen in den neuen Quartieren FRANKLIN und SPINELLI. Aber auch bei der Sanierung bestehender Bauten wie etwa der Pestalozzischule setzen wir neue Konzepte um.
Ein Beispiel: Anstelle des klassischen Frontalunterrichts sind in den letzten Jahren verstärkt Lerngruppen getreten. Zudem geht man heute intensiver auf die individuellen Bedürfnisse der Lernenden ein. Den klassischen Schulraum mit Bänken, Tafel und Lehrerpult gibt es noch, aber er wird durch flexiblere Raumangebote ergänzt.
Der Investitionsbedarf im Schulbereich bleibt hoch. Gerade bei großen Sanierungsprojekten wird uns die kommunale Haushaltslage vor Herausforderungen stellen. Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen ständig. Unsere Aufgabe wird es sein, diese verschiedenen Anforderungen miteinander zu verbinden. Schulen sollen moderne Lernorte sein, gleichzeitig aber auch wirtschaftlich und nachhaltig betrieben werden können.
Vor allem darauf, dass wir in dieser Zeit eine stabile Struktur für den Bildungsbau in Mannheim aufgebaut haben. Am Anfang standen einzelne Projekte. Heute betreuen wir das gesamte Schulportfolio der Stadt. Das zeigt, dass das Modell funktioniert. Und es zeigt auch, wie wichtig kontinuierliche Planung und Instandhaltung für einen verlässlichen Betrieb sind, damit Schulen langfristig gute Orte zum Lernen bleiben. BBS steht schließlich nicht nur für Bau- und Betriebsservice, sondern auch für Bildungsbau-Spezialist*innen.


