Wie entsteht Gemeinschaft?

KI-basierte Bildbeschreibung: Drei Personen sitzen und stehen um einen Picknicktisch in einem sonnigen, grünen Innenhof mit modernen Wohngebäuden im Hintergrund. Sie lächeln und sind leger gekleidet.

Die GBG-Gruppe ist längst mehr als ein kommunales Wohnungsbauunternehmen. Zusammen mit ihren Tochterunternehmen kümmert sie sich auch um das soziale Leben in den Liegenschaften, Quartieren und Stadtteilen. „Wie entsteht Gemeinschaft?“ ist dabei die zentrale Frage. Alexander Floß, Referent für Gemeinwesen und Quartierkoordination bei der GBG, Anja Lösch, zuständig für die Quartiersarbeit bei der MWSP, und Nico Kolb, Objektbetreuer im Kundenservicecenter 3 der GBG Wohnen, geben Antworten – auch am Beispiel des neuen Stadtteils FRANKLIN.

Herr Floß, wie entsteht Gemeinschaft – wenn man das zunächst einmal theoretisch betrachtet?

Alexander Floß: Gemeinschaft ist mehr als nur als eine Ansammlung von Menschen an einem Ort. Natürlich spielt räumliche Nähe eine Rolle – gerade im Wohnquartier. Gemeinschaft entsteht aber dann, wenn mehr hinzukommt: gemeinsame Interessen, Werte oder auch Ziele. In einer Gemeinschaft geht es immer auch um gegenseitige Unterstützung und darum, Ressourcen zu teilen. Menschen bringen unterschiedliche Erfahrungen und Fähigkeiten mit. Wenn sich diese ergänzen, kann daraus etwas entstehen, das größer ist als die Summe der Einzelnen.

KI-basierte Bildbeschreibung: Zwei Personen sitzen an einem Picknicktisch im Freien, lächeln und unterhalten sich mit einer dritten Person, die mit dem Rücken zur Kamera steht. Im Hintergrund sind ein modernes Gebäude und Grünflächen zu sehen. Es scheint ein sonniger Tag zu sein.
Gelebte Gemeinschaft: Nico Kolb und Anja Lösch beim Gespräch auf FRANKLIN.
Braucht es dazu eine Initialzündung?

Es beginnt immer mit Begegnung. Gemeinschaft entsteht dort, wo Menschen sich begegnen – sei es bei einem Gespräch, bei einer Veranstaltung oder ganz zufällig im Alltag. Deshalb ist es für uns als GBG wichtig, Möglichkeiten für Begegnung zu schaffen. Das können einfache Dinge sein: ein gemeinsamer Treffpunkt, Veranstaltungen im Quartier oder niedrigschwellige Angebote, bei denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Manchmal genügt schon ein Café, in dem man sich treffen kann. Wichtig ist, dass diese Orte leicht zugänglich sind und keinen großen Aufwand oder Konsumzwang erfordern.

Frau Lösch, Sie begleiten mit dem Aufsiedlungsmanagement die neuen Quartiere auf den Konversionsflächen. Wie erleben Sie das dort in der Praxis?

Anja Lösch: In den neuen Quartieren können wir das, was Herr Floß beschrieben hat, genau beobachten: Menschen suchen aktiv nach Gemeinschaft. Der Wunsch, Kontakte zu knüpfen oder etwas gemeinsam zu machen, ist fast greifbar. Das kann ganz unterschiedlich aussehen: Manche gehen gemeinsam spazieren, treiben zusammen Sport oder organisieren Veranstaltungen. Manchmal entstehen daraus sogar feste Gruppen oder Vereine.

Können Sie solche gemeinschaftsstiftenden Initiativen unterstützen?
KI-basierte Bildbeschreibung: Ein Mann mit langen braunen Haaren, die nach hinten gebunden sind, einem Bart und Schnurrbart lehnt lächelnd an einer hellen Wand. Er trägt eine grüne Jacke über einem blauen Hemd mit Kragen. Der Hintergrund ist sanft verschwommen.
„Gemeinschaft entsteht dort, wo Menschen sich begegnen und gemeinsame Erfahrungen machen.“
Alexander Floss
Referent Gemeinwesen und Quartierkoordination, GBG Unternehmensgruppe

Unsere Aufgabe ist es vor allem, Räume und Gelegenheiten für Begegnung zu schaffen. Dabei ist Raum für uns nicht nur ein Zimmer mit Decke. Begegnung kann genauso gut im Freien stattfinden – etwa an einem großen Tisch im Park, wie bei der FRANKLIN Tafel, auf einer Grünfläche oder entlang eines Spazierwegs wie dem LOOP. Ein gutes Beispiel sind die Nutzgärten auf FRANKLIN, die wir als MWSP geplant und initiiert haben. Dort können Bewohnerinnen und Bewohner kleine Parzellen bewirtschaften. Aus diesem gemeinsamen Interesse heraus ist fast von selbst eine Gemeinschaft entstanden.

Das heißt, Sie stoßen solche Prozesse an, aber irgendwann sollen sie sich verselbstständigen?

Lösch: Genau. Die Gärten haben wir in den ersten Jahren betreut, die Verpachtung koordiniert und geschaut, dass sie auch entsprechend genutzt werden. Im Sommer 2024 war alles so eingespielt, dass wir sie guten Gewissens an die Bewohnerinnen und Bewohner übergeben konnten, die sie seitdem als Verein führen. Idealerweise machen wir uns also mit der Zeit überflüssig.

Herr Kolb, Sie sind durch Ihre Aufgabe sehr nah an den Bewohnerinnen und Bewohnern dran. Wie entsteht Gemeinschaft im Alltag?

Nico Kolb: Ganz einfach: mit den Menschen selbst. Wir als Wohnungsbauunternehmen schaffen in erster Linie die Rahmenbedingungen – also die Gebäude, die Außenanlagen oder Treffpunkte. Die Gemeinschaft entsteht erst durch die Menschen, die dort leben. Oft sind es ganz alltägliche Situationen, die Kontakte ermöglichen: Man trifft sich beim Müll rausbringen, beim Gassigehen mit dem Hund oder auf dem Spielplatz. Daraus ergeben sich Gespräche, und irgendwann stellt man fest, dass man ähnliche Interessen hat. Spannend finde ich auch die Rolle, die mittlerweile WhatsApp & Co. spielen.

Welche Rolle ist das?

In den Wohngebäuden auf SULLIVAN, die wir 2024 angekauft und anschließend erstvermietet haben, haben die Bewohner und Bewohnerinnen sehr schnell eine WhatsApp-Gruppe gegründet. Über diese tauschen sie sich aus – über gemeinsame Aktivitäten, aber auch über praktische Fragen im Alltag. Dadurch lernen sich auch Leute kennen, die sich sonst wahrscheinlich nicht über den Weg gelaufen wären, da sie in ganz anderen Ecken der weitläufigen Bauten wohnen. Das Smartphone, das oft mit Vereinzelung in Verbindung gebracht wird, stiftet hier also Gemeinschaft.

Herr Floß, Sie haben gemeinsam mit ihrem Kollegen Arno Knöbl, Referent für Quartiers- und Portfolioentwicklung, theoretische Grundlagen gelegt, um die Entwicklung in Quartieren auch im Sozialen besser fördern zu können …

In einem ersten Schritt haben wir eine Definition von Quartier entwickelt. Dabei geht es darum, Quartiere nicht nur geografisch zu betrachten, sondern anhand verschiedener Kriterien zu verstehen. Dazu zählen bauliche Faktoren wie Baualter oder Sanierungszustand, aber auch soziale Aspekte wie Räume für Begegnungen oder die Identifikation der Bewohnerinnen und Bewohner mit ihrem Umfeld. Entscheidend war dabei der gemeinsame Blick verschiedener Bereiche: vom Kundenservicecenter über Gemeinwesenarbeit- bis zum Quartiermanagementstrukturen. Auf dieser Grundlage haben wir für den GBG-Bestand ein Analysetool entwickelt, das Unterschiede innerhalb von Stadtteilen sichtbar machen kann – etwa bei Altersstrukturen oder Haushaltsformen. Diese Daten fließen auch in das Portfoliomanagement ein und erweitern die technischen und baulichen Informationen zu unseren Beständen. So können wir lokale Bedarfe genauer erkennen und Angebote gezielter entwickeln.

Welche Angebote sind das zum Beispiel?
KI-basierte Bildbeschreibung: Eine lächelnde Frau mit kurzen weißen Haaren und rotgerahmter Brille steht draußen und trägt ein schwarzes Oberteil. Im Hintergrund sind unscharfe Gebäude und Grünflächen zu sehen.
„Unsere Aufgabe besteht dann darin, diese unterschiedlichen Perspektiven zu moderieren und gemeinsam Lösungen zu finden.“
Anja Lösch
Bereichsleitung Organisation I Quartiersarbeit, MWSP

Über die Quartierbetrachtung haben wir die Möglichkeit den Kolleg*innen der Quartierarbeit Informationen zur Verfügung zu stellen, die genutzt werden können, um Angebote an die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner zuzuschneiden. Dadurch kann der Fokus beispielweise von Stadtteilkonferenzen genauer auf die Zielgruppen im Quartier ausgerichtet werden. Ein weiteres Beispiel ist der Ansatz, das Angebot an barrierearmen/-freien Wohnungen noch genauer an die Altersstruktur anzupassen sowie bedarfsgerechte Angebot im Quartier zu etablieren und den längeren Verbleib in der eigenen Wohnung und dem bestehenden sozialen Umfeld zu ermöglichen.

Dennoch läuft wahrscheinlich nicht immer alles reibungslos. Was kann Gemeinschaft im Quartier erschweren?

Lösch: Ein großes Thema sind unterschiedliche Erwartungen oder Interessen. Gerade in unseren neuen Quartieren, wo es noch keine gewachsenen Strukturen gibt und die Menschen in der Nachbarschaft sich erst kennenlernen müssen, kann es durchaus Konflikte geben. Häufig betrifft dies Fragen der Mobilität oder der Nutzung öffentlicher Räume. Unsere Aufgabe besteht dann darin, diese unterschiedlichen Perspektiven zu moderieren und gemeinsam Lösungen zu finden.

Floß: Ein weiterer Faktor kann auch eine hohe Fluktuation sein. Wenn Menschen sehr häufig umziehen, ist es schwieriger, stabile Beziehungen aufzubauen. Und natürlich können auch Vorurteile oder Ausgrenzung eine Rolle spielen. Umso wichtiger ist es, Orte zu schaffen, an denen Menschen einander begegnen – denn viele Vorurteile lösen sich auf, wenn man miteinander ins Gespräch kommt.

Wenn Sie alle drei auf die zentrale Frage zurückblicken – wie entsteht Gemeinschaft – was wäre Ihr gemeinsames Fazit?
KI-basierte Bildbeschreibung: Ein Mann mit dunklem Haar, Brille und Bart lächelt mit verschränkten Armen. Er trägt eine schwarze Jacke über einem weißen Hemd und steht im Freien, wobei ein modernes Gebäude und Bäume im Hintergrund verschwimmen.
„Am Ende entsteht Gemeinschaft aber immer durch die Menschen selbst. Wir können nur die Voraussetzungen schaffen – die Gemeinschaft wächst daraus.“
Nico Kolb
Objektbetreuer im Kunden-Service-Center 3, GBG Wohnen

Floß: Gemeinschaft entsteht dort, wo Menschen sich begegnen und gemeinsame Erfahrungen machen.

Lösch: Sie braucht Gelegenheiten, damit solche Begegnungen überhaupt möglich sind.

Kolb: Am Ende entsteht sie aber immer durch die Menschen selbst. Wir können nur die Voraussetzungen schaffen – die Gemeinschaft wächst daraus.

Aufsiedlung FRANKLIN in Zahlen (Anzahl Bewohner*innen pro Jahr)