Zusammen wachsen

Grün und lebendig – mit den FRANKLIN Nutzgärten hat die MWSP zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Das Urban-Gardening-Projekt für die Stadtteilbewohner*innen setzt ein Zeichen in Sachen Nachhaltigkeit und stärkt das Zusammenleben im neuen Stadtteil. Und auch die Zukunft des Projekts ist gesichert: Nachdem die MWSP die Flächen Anfang 2025 an die Stadt übergeben hat, kümmert sich nun ein Verein um die Nutzgärten.

Einer der ersten Frühlingstage auf FRANKLIN. Maike Kassebom und Andrea Bauch stehen auf einem freien Stück Land mitten im Stadtteil.  So früh im Jahr liegen die meisten Parzellen noch brach, aber mit etwas Fantasie lässt sich vorstellen, dass hier in wenigen Wochen schon vieles sprießen wird – Obst, Gemüse, Kräuter, Blumen und alles, was sonst noch das Gärtner*innenherz begehrt. „FRANKLIN Nutzgärten 2“ heißt die Fläche etwas prosaisch und Kassebom und Bauch sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass dieses Projekt funktioniert.

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Nutzgarten-Fläche stehen auf FRANKLIN zur Verfügung

„Wir haben 2021 mit der ersten Saison der Nutzgärten auf FRANKLIN begonnen“, berichtet Kassebom, die als Aufsiedlungsmanagerin bei der MWSP das Projekt lange Zeit betreut hat. „Im Vorfeld hatten wir natürlich noch einiges an Vorbereitung und Planung zu erledigen.“ Auf FRANKLIN waren die Gärten von vornherein Teil der Freianlagenplanung, das hat Modellcharakter. „Die Idee dahinter war, grüne Freiräume zu schaffen und gleichzeitig den sozialen Zusammenhalt im Quartier zu fördern.“ Starthilfe holte sich die MWSP vom Verein Mikro Landwirtschaft, der deutschlandweit gemeinschaftliche Gemüseanbau- und Landwirtschaftsprojekte unterstützt. „Vom Know-how der Mikro Landwirtschaft haben wir sehr profitiert – nicht nur was das Gärtnerische angeht, sondern auch in Sachen Konzept“, erklärt Kassebom.

Dieses Konzept ist so einfach wie überzeugend: Die FRANKLIN-Gärtner*innen bewirtschaften jeweils eine 20 Quadratmeter große Parzelle, die in drei bis vier Beete unterteilt ist. Gepflanzt werden darf – mit wenigen Ausnahmen –, was gefällt. Zur Pflege sind allerdings nur Bio-Dünger und -Pflanzenschutzmittel erlaubt. Gartengeräte und Wasserversorgung werden gestellt und gemeinsam genutzt. Um einen Garten bewerben können sich alle Bewohner*innen von FRANKLIN, die keinen eigenen Garten haben.

Die Resonanz im neuen Stadtteil war sehr positiv. Waren es im ersten Jahr 35 Parzellen, die per Losverfahren an die Bewerber*innen vergeben wurden, stehen den FRANKLIN-Bewohner*innen heute 88 Parzellen an drei verschiedenen Standorten zur Verfügung. Und das wird in Zukunft so bleiben, auch wenn die MWSP Anfang dieses Jahres die Gartenflächen an die Stadt Mannheim übergeben hat – und damit nicht mehr für deren Verwaltung zuständig ist. Diese Aufgabe übernimmt nun der eigens gegründete Verein Nutzgärten FRANKLIN e.V. Genau hier kommt Andrea Bauch ins Spiel. Sie ist gemeinsam mit Lukas Anslinger, Judit Smalley und Dieter Meinecke im Vorstand des Vereins. Seit letztem Jahr engagieren sich die vier zusammen mit vielen anderen Mitstreiter*innen für die Weiternutzung der Gärten. „Das bedeutet natürlich jede Menge Arbeit für mich und meine Vereinskollegen und -kolleginnen, aber uns ist es wichtig, dass die Nutzgärten weiterbestehen, weil sie unseren Stadtteil einfach bereichern.“

„Auf FRANKLIN waren die Nutzgärten von vornherein Teil der Freianlagenplanung, das hat Modellcharakter.“
Maike Kassebom
Aufsiedlungsmanagement, MWSP

Das Konzept der MWSP möchte der Verein fortführen. Andrea Bauch freut sich auf die Aufgabe, genauso wie auf die neue Gartensaison. „Auch wenn eine Parzelle nur 20 Quadratmeter groß ist, hält sie einen ganz schön auf Trab“, berichtet sie. „Aber das ist ja auch das Schöne: Man ist viel an der frischen Luft, arbeitet mit Erde und Pflanzen und kann sich am Ende über frisches Obst und Gemüse freuen. Außerdem lernt man viele Menschen aus dem Stadtteil kennen.“

Wasser marsch! Andrea Bauch (links) und zwei ihrer Nutzgärten-Mitstreiterinnen
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Nutzgartenparzellen gibt es auf FRANKLIN

Und auch Maike Kassebom ist froh darüber, dass es in den FRANKLIN-Gärten weiterhin wächst und blüht, selbst wenn sie dazu keinen aktiven Beitrag mehr leisten wird. „Die Arbeit mit den Nutzgärtnern und -gärtnerinnen hat mir sehr viel Spaß gemacht“, sagt sie, aber jetzt sei es Zeit für ein neues Kapitel. „Durch die Übergabe an den Verein haben wir unsere Aufgabe als Aufsiedlungsmanagement erfüllt, die schließlich darin besteht, einen lebendigen Stadtteil zu schaffen und Impulse für ein dauerhaft gutes Miteinander zu setzen.“ Ganz aus den Augen verlieren wird sie die Gärtnerinnen und Gärtner aber nicht. Die Einladung zum diesjährigen Erntefest hat Maike Kassebom jedenfalls schon in der Tasche. Und dieses Mal wird sie nicht als Organisatorin mit den FRANKLIN-Gärtner*innen feiern, sondern als Gast.