Und was arbeiten Sie?

Was macht ein Menschenrechtsbeauftragter? Was passiert mit dem Bauschutt auf den Konversionsflächen? Was ist heutzutage beim Neubau eines Kinderhauses zu beachten? Und wie fühlt es sich eigentlich an, die glückliche Botschaft einer Wohnungszusage zu überbringen? Vier Expert*innen erzählen aus ihrem Arbeitsalltag in der GBG Unternehmensgruppe.

Simone Dornick-Deißler, Baumanagement – Bauvorbereitung – Projektleitung Neubau Kinderhaus Hochstätt, GBG Wohnen

Die Bauprojektleiterin

„Ich arbeite seit fast zehn Jahren bei der GBG. Mein aktuelles Projekt ist der Neubau eines Kinderhauses im Stadtteil Hochstätt, den wir seit 2022 umsetzen. Als Projektleiterin bin ich die zentrale Ansprechpartnerin für die Fachplaner*innen und den Architekten – von der Planungsphase bis zur Fertigstellung. Ich koordiniere Termine, überwache die Kosten und war auch in Entscheidungen zu Qualitäten und Ausführungsarten eingebunden. Eine besondere Herausforderung bei diesem Projekt ist die Zertifizierung für nachhaltiges Bauen nach DGNB, die notwendig ist, um KfW-Fördermittel zu erhalten.

Diese Zertifizierung bringt hohe Anforderungen mit sich – sowohl an die Materialien als auch an den Dokumentationsaufwand. Es gibt in diesem Zusammenhang Aspekte, an die man im ersten Moment nicht denken würde. So wird verlangt, dass die nachhaltige Bauweise und ihre Vorteile den Nutzer*innen, in unserem Fall also den Kindern, vermittelt wird. Hierzu haben wir eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich mit dieser Aufgabe beschäftigt hat. Das Ergebnis ist ein Wimmelbild, das von einem Illustrator nach unseren Vorgaben umgesetzt wurde. Es wird künftig im Großformat im Treppenhaus des Kinderhauses hängen. Als Diplom-Ingenieurin war ich längere Zeit in einem Unternehmen beschäftigt, das sich auf Gebäudemanagement spezialisiert hat. Hier ging es vor allem um die Instandhaltung von Gebäuden – eine Aufgabe, die mich irgendwann nicht mehr erfüllt hat. Ich wollte wieder mit der Entstehung von Gebäuden zu tun haben und bin deshalb 2015 zur GBG in die Bauvorbereitung gewechselt.

Zur Projektleitung des Kinderhauses bin ich recht unerwartet gekommen. Ich hatte bereits den Abbruch des Bestandsgebäudes vollumfänglich betreut. Als es dann um die Projektleitung des Neubaus ging, ist die Wahl auf mich gefallen. Seitdem begleite ich das Bauvorhaben durch all seine Höhen, Tiefen und Überraschungen – von der Eidechsenumsiedlung über Last Minute Änderungen bis zu Insolvenzverfahren. Aber genau diese Vielfalt macht meinen Job so spannend.“

Die Vermietungs-Spezialistin

„Von unseren rund 20.000 Wohnungen betreue ich ungefähr 1.800 Wohneinheiten. Ich bin seit 2018 in der Abteilung Vermietung, seit 2024 als stellvertretende Leiterin, nachdem ich bei der GBG schon meine Ausbildung als Immobilienkauffrau abgeschlossen habe. Mein Schwerpunkt liegt auf unseren Beständen in der Neckarstadt-Ost, aktuell aber auch auf den 123 Wohnungen im Hochpunkt H auf FRANKLIN. Ich betreue Wohnungen, Stellplätze sowie Garagen und bin für den gesamten Prozess von der Besichtigung bis hin zum Vertragsabschluss zuständig.

KI-basierte Bildbeschreibung: Eine Frau mit langen braunen Haaren und Brille steht lächelnd vor einem modernen Gebäude mit gelben Balkonen und kantiger Architektur, neben einer rot-weiß gestreiften Baustellenabsperrung.
Laura Mengesdorf, stellvertretende Leiterin der Abteilung Vermietung

Wenn eine unserer Wohnungen in die Vermietung geht, fotografiere ich die Räumlichkeiten, bereite das Wohnungsinserat vor und veröffentliche es auf der GBG-Homepage und auf Immobilienscout24. Unser Vermietungsteam bietet den Mietinteressent*innen täglich den Service, sich bei Fragen rund um die Wohnungssuche bei uns zu melden. An einem Tag in der Woche kümmere ich mich entweder telefonisch oder bei einem persönlichen Termin um all ihre Anliegen zum Thema Vermietung.

Ich mag die Abwechslung an meiner Arbeit, den Mix aus Büroarbeit und in der Stadt unterwegs zu sein. Das Schönste ist, wenn ich einer Interessentin oder einem Interessenten mitteilen kann, dass sie oder er den Zuschlag für die Wunschwohnung bekommt. Da sind auch schon Freudentränen geflossen, denn die Wohnungssuche ist nicht leicht. Umgekehrt ist die Frustration bei manchen Suchenden deshalb manchmal hoch. Und den Frust bekommen wir mitunter auch ab, wenn wir keine Wohnung anbieten können. Bei uns geht es allerdings nach strenger Reihenfolge: Wenn jemand in unserem Portal Immomio registriert ist und die nötigen Grundvoraussetzungen für die angebotene Wohnung erfüllt, dann ist die individuelle Wartedauer das entscheidende Kriterium für den Zuschlag. Austausch im Team ist für mich die halbe Miete, denn wir alle teilen in der Abteilung ähnliche Erfahrungen. Grundsätzlich schätze ich den Kundenkontakt und mag es, mit unterschiedlichen Charakteren zu tun zu haben.“

Christoph Jacobs, Menschenrechtsbeauftragter

Der Menschenrechtsbeauftragte

„Ich bin seit 2022 bei der GBG im Bereich Prozess- und Qualitätsmanagement tätig und seit Herbst 2023 der Menschenrechtsbeauftragte der Gruppe. Meine Stelle wurde im Zusammenhang mit dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, kurz LkSG, geschaffen. Es gilt seit 2024 für Unternehmen ab 1.000 Beschäftigten. Dabei geht es darum, dass ein Unternehmen seinen Beitrag leistet, Verstöße gegen Menschenrechte in seinen Lieferketten zu verhindern. Konkret geht es um die Themen Kinder- und Zwangsarbeit, Diskriminierung sowie Umweltrisiken oder Verstöße gegen die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz.

Unsere Gruppe hat das Thema nicht kalt erwischt, weil es unsere Unternehmensphilosophie schon hergibt: Wir wollen ohnehin mit niemandem zusammenarbeiten, der seine Mitarbeiter*innen nicht ordentlich behandelt. Deshalb achten wir auf möglichst kurze und regionale Lieferketten mit wenig Subunternehmen und alle, die mit uns Verträge schließen, müssen unserem Geschäftspartnerkodex zustimmen, der uns im Verdachtsfall bestimmte Auditrechte einräumt und die Möglichkeit, bei Verstößen die Geschäftsbeziehung zu beenden. Das LkSG verpflichtet dazu, ein betriebliches Risikomanagement einzurichten und unsere Lieferketten regelmäßig zu analysieren. Unternehmen müssen darüber hinaus ein Beschwerdeverfahren einrichten und Präventions- und Abhilfemaßnahmen ergreifen. Ich als Menschenrechtsbeauftragter bin also damit betraut, das Risikomanagement zu überwachen und eine jährliche Risikobewertung vorzunehmen. Das ist eine abstrakte Tätigkeit, bei der es darum geht, anhand von Branchen- und Länderrisiken potenzielle Risiken bei einem Zulieferer zu erkennen, um gegebenenfalls Präventionsmaßnahmen anzustoßen.

Intern melden die eigenen Gesellschaften ihre Risikoanalysen ebenfalls an mich. Ich kontrolliere also nicht nur, sondern berate auch. Generell bin ich der neutrale Ansprechpartner für alle Fragen zum Thema und nicht zuletzt können sich alle an mich wenden, wenn es den Verdacht auf Verstöße gibt. Ich bin dann derjenige, der das Abhilfeverfahren verantwortet. Dann versuche ich zu ermitteln: Ist es ein tatsächlicher Verstoß? Wenn ja, was können wir tun? Ich spreche mit den Betroffenen und den verantwortlichen Stellen und berichte an die Geschäftsführung. Das Thema lebt von Hinweisen und natürlich dem Schutz der Hinweisgeber*innen. Deshalb ist es sehr wichtig, kontinuierlich daran zu arbeiten, dass Interne und Externe sich möglichst hürdenlos an mich wenden können, wenn sie Umweltrisiken oder menschenrechtsbezogene Risiken feststellen, und sich sicher fühlen können, dass sie anonym bleiben. “

Die Recycling-Expertin

„Ich arbeite seit Juli 2023 bei der MWSP und bin dort hauptsächlich für Abbruch und Stoffstrommanagement zuständig. Darunter versteht man die möglichst nachhaltige Verwendung von Materialien, um so viel wie möglich in den Abfallkreislauf wieder einzubringen. Belastete und technisch ungeeignete Baustoffe werden entsorgt.  Bei vielen Projekten fällt Erdmaterial an, das wir analysieren, um zu entscheiden, ob und wie es weiterverwendet werden kann. Ziel ist es immer, möglichst viel  zu recyceln und wieder einzusetzen, zum Beispiel bei anderen Vorhaben wie der Modellierung der Erdrampe beim Bau des FRANKLIN-Stegs.

Nazmiye Yildiz, Planung & Bau – Team Infrastruktur, MWSP

Beim Abbruch entsteht auch viel Bauschutt, den wir – wenn möglich – ebenfalls recyceln, zum Beispiel für den Straßenbau. Wir vergeben Projekte, begleiten die Ausschreibung, stimmen uns mit der Bauüberwachung ab und werten die Analyseergebnisse aus, um geeignete Verwertungswege zu finden – ich koordiniere diese Prozesse. Aktuell beschäftige ich mich bei der Europaachse auf FRANKLIN auch intensiv mit dem Thema Kampfmittelfreimachung. Da hier früher ein Militärgelände war, müssen wir bei jedem Bauvorhaben prüfen, ob Kampfmittelverdacht besteht. Vorher ist das Bebauen der Flächen nicht möglich.

Studiert habe ich Umweltingenieurwesen in Darmstadt. Durch ein Praktikum in einer Firma, die sich mit Entsorgungsthemen beschäftigt hat, bin ich in diesen Bereich hineingerutscht. Danach habe ich zunächst in Ludwigshafen und später in Weinheim gearbeitet – dort war ich knapp drei Jahre in der Bauleitung für Abbruch und Entsorgung tätig, bevor ich zur MWSP gewechselt bin.

Besonders spannend finde ich an meinem Job, dass wir aktiv steuern können, wie Materialien wiederverwendet werden. Früher als Bauleiterin habe ich oft erlebt, dass das Thema Recycling noch mit vielen Vorurteilen behaftet ist – manche Firmen lehnen wiederverwendetes Material kategorisch ab. Dabei sind die technischen Möglichkeiten inzwischen sehr weit und wir können aufbereitetes Material gezielt wiederverwenden – das spart nicht nur Kosten, sondern ist auch deutlich ressourcenschonender. Ich finde es super, dass wir hier mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen können, wie Kreislaufwirtschaft in der Praxis funktioniert.“